Stress ist keine Schwäche – warum chronischer Stress erschöpft

Veröffentlicht am 4. Jänner 2026 um 14:49

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Viele arbeitstätige Menschen und Führungspersonen erleben Stress als etwas, das sie „eigentlich im Griff haben sollten“.
Sie funktionieren im Alltag, tragen Verantwortung, treffen Entscheidungen – und fühlen sich gleichzeitig innerlich erschöpft.

Häufig entsteht dabei ein stiller Gedanke:
„Andere schaffen das doch auch – warum ich nicht?“

Doch Stress ist keine Frage von Stärke oder Disziplin.
Er ist eine Reaktion des Nervensystems

Was Stress wirklich ist – und was nicht

Stress ist keine persönliche Schwäche.
Er ist eine biologische Anpassungsreaktion auf Anforderungen, Druck, Unsicherheit oder Dauerbelastung.

Kurzfristig hilft uns Stress:

  • fokussiert zu bleiben
  • Leistung zu bringen
  • Herausforderungen zu bewältigen

 Wenn diese Aktivierung nicht mehr endet entsteht chronischer Stress.

Chronischer Stress und das Nervensystem

Chronischer Stress bedeutet, dass das Nervensystem über längere Zeit in Alarmbereitschaft bleibt. Der Körper ist dauerhaft auf „Bereitsein“ eingestellt – auch dann, wenn objektiv keine akute Gefahr besteht.

Das zeigt sich oft durch:

  • anhaltende Erschöpfung
  • innere Unruhe
  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • körperliche Stresssymptome wie Verspannungen, Magen-Darm-Probleme oder Kopfschmerzen

Diese Symptome sind keine Einbildung.
Sie sind Signale eines überlasteten Nervensystems.

Erschöpfung trotz Funktionieren – ein unterschätztes Warnsignal

Besonders häufig betroffen sind leistungsfähige Menschen:

  • Führungskräfte
  • Menschen im Management
  • Personen mit hoher Eigenverantwortung

Viele funktionieren lange weiter – trotz Stress und Erschöpfung.
Sie ignorieren frühe Signale, weil „es gerade nicht passt“, langsamer zu werden.

Doch der Körper speichert Belastung.
Stress verschwindet nicht, nur weil wir ihn übergehen.

Erschöpfung trotz Leistungsfähigkeit ist deshalb kein Zeichen von Schwäche, sondern ein ernstes Warnsignal.

Warum reine Erholung oft nicht reicht

Viele Betroffene versuchen gegenzusteuern:

  • mehr schlafen
  • Ferien nehmen
  • Entspannungsübungen machen

Das kann kurzfristig helfen.
Doch bei chronischem Stress reicht Erholung allein oft nicht aus.

Warum?

Weil das Nervensystem nicht gelernt hat, wieder in einen regulierten Zustand zurückzufinden. Es bleibt im Hintergrund angespannt – selbst in ruhigen Momenten.

Nachhaltige Veränderung beginnt deshalb nicht mit mehr Disziplin, sondern mit einem anderen Verständnis von Stress.

Stress verstehen, um ihn verändern zu können

Ein wirksamer Umgang mit Stress beginnt mit drei Schritten:

  1. Verstehen, wie Stress im Körper entsteht
  2. Wahrnehmen, welche Signale das Nervensystem sendet
  3. Regulieren, statt nur zu funktionieren

Das ist kein schneller Prozess aber ein nachhaltiger.

Ein erster Impuls für den Alltag

Beobachte in den nächsten Tagen:

  • Wie reagiert dein Körper auf Belastung?
  • Wann entsteht Anspannung – auch ohne äusseren Druck?

Nicht bewerten.
Nicht korrigieren.
Nur wahrnehmen.

Allein diese Aufmerksamkeit kann bereits etwas verändern.

Fazit

Stress ist kein persönliches Versagen, es ist ein Signal.

Ein Signal dafür, dass dein Nervensystem zu lange zu viel tragen musste.

Wenn du beginnst, Stress nicht als Gegner, sondern als Information zu verstehen, wird Veränderung möglich.

Mirko A. Cortese